Dienstag, 13. Oktober 2015

Zwischen Mutter- und Missionarsdasein – Teil 1

Über 60 Familien sind mit OM Deutschland im Einsatz. Oft steht der Ehemann und Vater im Dienst, doch wie sieht das Leben zwischen Mutter- und Missionarsdasein aus? Wir haben dazu fünf Frauen befragt. Leider mussten diese Interviews für die Global gekürzt werden, weswegen Sie hier nun den ersten von drei Teilen des inspirierenden und ungekürzten Interviews finden:

Anne hat drei Kinder zwischen ein und sieben Jahren, lebte sieben Jahre in Südafrika und ist mit ihrer Familie seit eineinhalb Jahren wieder in Deutschland.
Natja hat zwei Kinder, einen Jungen, neun Jahre und eine Tochter, sieben Jahre, lebt mit ihrer Familie seit 2007 in Montenegro.
Lydia ist mit ihrer Familie seit 2006 in Zentralasien unterwegs, „zuerst mit zwei ganz kleinen Kindern (vier und zwei Jahre), und im Laufe der Jahre sind es dann vier Kinder geworden. Mittlerweile hat die Familie sogar Teenies."
Christiane lebt mit ihrer Familie seit genau drei Jahren in Pretoria, Südafrika. Sie hat vier Kinder, wobei die älteste Tochter (18 Jahre alt) nun wieder zurück nach Deutschland gegangen ist. Somit leben vor Ort ‚nur' drei Kinder im Alter von ein, drei und 13 Jahren.
Miriam und ihre Familie lebt seit 2003 in Nordengland und hat zwei Töchter, die beide im Teenageralter sind.

Hast du neben dem Muttersein noch andere Aufgaben?
Anne: Ich arbeite ein paar Stunden in der Woche für OM Europa von zu Hause aus am Laptop, außerdem coache/mentore ich noch zwei junge Frauen, die einen Jahreseinsatz mit OM machen. Bisher sind die Kinder noch zu klein, als dass ich eine geregelte Arbeit/Bürojob machen kann.

Natja: Ich bin in unserem Team für Personal und Finanzen zuständig, außerdem bin ich Teil unseres deutschen Sprachcafés und arbeite mit Familien, die autistische Kinder haben.

Lydia: Wie bei jeder anderen Mutter ist das natürlich nicht meine einzige Rolle. Ich bin ja auch Ehefrau, Teammitglied, Freundin bzw. Bekannte von deutschen/internationalen und einheimischen Frauen (interessante Mischung!). Ich bin aktiv im Gemeindebau vor Ort und nebenher, soweit die Zeit es erlaubt, auch Englischlehrerin in unserem Sprachinstitut.

Christiane: Ich bin im Fahrdienst, Reinigungsservice, im Lieferdienst, im Kochdienst mit neuen Herausforderungen, wie ohne Kuhprodukte, Zucker und Weizen bis glutenfrei zu kochen und zu backen, und noch in so einigen anderen Diensten beschäftigt. Spaß beiseite, bei OM springe ich hier und da mit ein, wenn es zum Beispiel auf unserem Trainingsgelände das Einführungsseminar stattfindet. Das kann ich dann immer gut mit den Kindern „koppeln", denn sie lieben es, dort auf dem Gelände herumzutoben, und so kann ich dann die Mitarbeit auch genießen. Meine große Tochter bringt sich dann auch gerne in verschiedene Aufgaben mit ein.

Miriam: Ich arbeite als Grafikerin in einem Team mit, das innerhalb von OM Schulungen für interkulturelle Teams anbietet, genannt TeamWorks. Dort helfe ich bei der Erstellung des Kursmaterials und des Materials für die zukünftigen Trainer mit. Meine Kollegen sind in den USA und in Holland. Außerdem habe ich seit einigen Jahren mein eigenes kleines Gewerbe, wo ich mit Dekorationsartikeln, Marmeladen, Chutneys u. v. m. vor allem in der Vorweihnachtszeit kreativ bin.


Wie empfindest du den Spagat zwischen Missionarin- und Muttersein?
Anne: Ich bin als Ehefrau auf das Missionsfeld gegangen, die Kinder kamen später dazu. Am Anfang war ich sehr beschäftigt und hatte meinen normalen Dienst. Nachdem unser erstes Kind kam, musste ich viel herunterfahren. Ich habe meine Grenzen erkannt und nicht mehr so viel gemacht. Aber es war auch ein Prozess, bis ich erkannt habe, dass die Kinder zur Zeit mein Missionsfeld sind. Und auch Hausfrau zu sein, damit mein Mann weiterhin gut seinen Dienst machen kann. Ich bin weiterhin Missionarin und nehmen zur Zeit die Unterstützerrolle ein und arbeite mehr im Hintergrund. Außerdem habe ich gelernt, wie ich durch meine Kinder Missionarin sein kann, indem ich Zeit im Kindergarten, mit Freundinnen und deren Müttern verbringe.

Natja: Prioritäten sind eine große Herausforderung, denn wenn man mit Menschen zu tun hat, gibt es nicht immer einen Zeitplan, der im Vorfeld abgesteckt werden kann. Ich möchte meinen Kindern ein positives Bild vom Missionarsleben geben und ihnen zeigen, dass sie trotz meiner „geistlichen Berufung" über dem Dienst stehen. Das ist nicht immer einfach. Ich versuche mir bewusst Zeit zum Spielen zu nehmen und sie nicht zu zwingen an allen möglichen Terminen teilzunehmen, wie bei Gebetsabenden und Bibelarbeiten. Allerdings sind mein Muttersein und mein missionarischer Lebensstil nicht trennbar, deshalb versuche ich wohl auch gar nicht einen Spagat zu schaffen, sondern mich mit beiden Rollen linear und in gesunder Art und Weise weiterzuentwickeln.

Lydia: Als „Missionarin" würde ich mich niemals bezeichnen, weil das in unserem Land ein sehr negativ besetzter Begriff ist. Ich bemühe mich aber darum, als authentische Jesus-Nachfolgerin zu leben und andere auch dazu einzuladen. Die nächsten Menschen, die mir Jesus dabei ans Herz gelegt hat, sind natürlich mein Mann und meine Kinder. Ich kann nicht für andere etwas sein, was ich nicht auch in meiner eigenen Familie glaubhaft bin. Ich denke, wenn man den Dienst und den Rest vom Leben total voneinander abtrennt, dann stimmt irgendetwas nicht und man wird auf lange Sicht gesehen krank. Ich möchte mich in allem, was ich tue, von Jesus leiten lassen. An manchen Tagen bin ich mehr zu Hause, weil ich den Eindruck habe, die Kinder brauchen mich. An anderen Tagen kümmert sich jemand anderes um unsere Kinder und bin ich mehr unterwegs und besuche einheimische Frauen. Viele kommen auch gerne zu uns in unser Haus – da fließt der Dienst an den eigenen Kindern und anderen Menschen dann zusammen. Die Kinder sind mit hineingenommen, weil wir als ganze Familie die, die zu uns kommen, aufnehmen und uns um sie kümmern. Gott hat uns unkomplizierte, kontaktfreudige Kinder anvertraut, das ist natürlich ein Vorteil, wenn man ein offenes Haus hat. Viele Kontakte ergeben sich auch erst über die Kinder. Ich bete aber auch um Weisheit, immer wieder die richtige Balance zu finden, dass die Kinder nicht nur ein Teil des Dienstes sind, sondern dass ich auch sensibel dafür bin und gerne und genügend Zeit nur mit ihnen verbringe, wenn sie das brauchen.

Christiane: Den Spagat zwischen meinem Muttersein und dem missionarischen Dienst gibt es nicht. Denn bevor wir hier nach Afrika gekommen sind, hat mir Gott ganz klar gesagt, dass meine Familie im Vordergrund stehen soll und nicht die Aufgaben der Mission an sich. Insofern nehme ich hier nur Aufgaben an, die ich neben meiner Vollzeitbeschäftigung als Mutter ohne Spagat tätigen kann.

Miriam: Ich denke, mir geht es da nicht anders als anderen Frauen, die berufstätig sind. Allerdings habe ich den Vorteil, da ich von zu Hause arbeite, flexibler zu sein als die meisten Mütter hier in Großbritannien (überwiegend sind beide Elternteile berufstätig, da ein Einkommen pro Haushalt meist nicht ausreicht), so bin ich zu Hause, wenn meine Mädchen um 15.40 Uhr aus der Schule kommen. Außerdem kann ich mich deswegen gut in die missionarischen Aktivitäten unserer Ortsgemeinde einbringen (unser OM-Team ist ein Büro-Team, das die Teams weltweit in verschiedenen Bereichen wie z. B. IT oder Personal unterstützt, aber keine eigenen missionarischen Projekte vor Ort hat).